Vertiefung

Die Wirklichkeit des Bösen

Das Böse ist mehr als ein Bild für menschliche Abgründe. Folter, Verrat und Hass geschehen wirklich, und sie zerstören Menschen. Die Kirche nimmt das Böse ernst. Sie lehrt, dass es einen persönlichen Widersacher Gottes gibt. Noch ernster nimmt sie Jesus Christus: Er hat Macht über das Böse, er bewahrt die Seinen und befreit Menschen. Wer ihm vertraut, muss sich nicht fürchten.

Auf einem dunklen Holztisch liegen ein altes Buch mit eingeprägtem Kreuz, eine Brille, ein Spiralblock und ein Stift.
Illustration · Ein altes Buch mit Kreuz, eine Brille und ein Spiralblock auf einem Holztisch.

Das Böse ist wirklich

Thomas von Aquin beschreibt das Böse als Verlust eines Guten, das einem Wesen zukommt. Dieser Verlust ist wirklich, und man kann ihn benennen. Folter nimmt einem Menschen die Unversehrtheit, die ihm zusteht. Verrat zerstört die Treue, auf die ein Freund bauen durfte. Hass verweigert dem Nächsten die Liebe, die ihm gebührt. Jedes Mal fehlt etwas, das da sein müsste.

Thomas von Aquin

Ein persönlicher Widersacher

Die Kirche lehrt: Satan ist ein geschaffenes geistiges Wesen. Er hat sich aus freiem Willen gegen Gott entschieden und will den Menschen von Gott abbringen. Er ist keine zweite Gottheit und keine Macht auf gleicher Höhe mit Gott. Der Katechismus sagt es nüchtern: „Die Macht Satans ist jedoch nicht unendlich. Er ist bloß ein Geschöpf“. Gottes Reich kann er nicht verhindern. Katechismus lesen

Jesus schützt und befreit

In seinem Abschiedsgebet bittet Jesus den Vater für seine Jünger:

„Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.“
Joh 17,15

Die Jünger bleiben in der Welt und stehen dort unter dem Schutz des Vaters. Mehr noch: Jesus ruft die Zwölf zu sich und gibt ihnen die Vollmacht, „die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen“ (Mt 10,1).

Matthäus 10,1.7–8

Die Evangelien unterscheiden

Matthäus berichtet: „Man brachte alle Kranken mit den verschiedensten Gebrechen und Leiden zu ihm, Besessene, Mondsüchtige und Gelähmte, und er heilte sie.“ (Mt 4,24) Kranke und Besessene stehen nebeneinander, und sie sind nicht dasselbe. Auch beim Auftrag an die Zwölf nennt Jesus Heilen und Austreiben getrennt. Die Kirche hält an dieser Unterscheidung fest. Erkrankungen gehören in medizinische Behandlung, und vor einem Exorzismus zieht die Kirche medizinische, psychologische und psychiatrische Fachleute hinzu.

Die ICD-10-GM führt unter F44.3 „Trance- und Besessenheitszustände“ als klinisches Bild. Über Dämonen trifft diese Klassifikation keine Aussage; diese Frage beantwortet der Glaube. ICD-10-GM lesen

Lehre über den Exorzismus

Gabriele Amorth

Gabriele Amorth (1925–2016), ein Pauliner, wurde 1986 Exorzist der Diözese Rom. Er war Mitgründer und erster Präsident der Internationalen Vereinigung der Exorzisten. Seine Erfahrungsbücher schildern nach Verlagsangabe Hunderte Begegnungen aus diesem Dienst. Was er darin und in Gesprächen erzählt, ist sein eigenes Zeugnis. Er setzte dabei voraus, dass zuvor körperliche und psychische Ursachen sorgfältig abgeklärt werden müssen.

Von seinem ersten schweren Exorzismus berichtet Amorth: Ein 27-jähriger Mann saß reglos da. Beim Gebet schrie er, beschimpfte die Anwesenden und spuckte. Sechs Männer hielten ihn. Nach Amorths Bericht sprach der Mann eine Sprache, die er nicht gelernt hatte, und nannte einen Tag seiner Befreiung.

Wirkliche Besessenheit nannte Amorth selten, den Exorzismus ein Gebet im Namen der Kirche. Er berichtete auch von Leiden, deren Ursache Ärzte nach seiner Darstellung nicht bestimmen konnten. Während eines weiteren Exorzismus fragte er nach dem Grund der Abneigung gegen Johannes Paul II. Eine fremde Stimme antwortete nach seinem Bericht: „Weil er alle meine Pläne durchkreuzt hat.“ Amorth-Interview lesen

Kirchlicher AuftragErstes ZeugnisbuchWeiteres ZeugnisbuchAmorth bei Radio Vatikan

Jesus Christus hat das letzte Wort

Den Großen Exorzismus darf nur ein beauftragter Priester feiern, und nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Ortsbischofs. Davon unterscheidet die Kirche das Gebet um Schutz und Befreiung vom Bösen; solche Gebete sind keine feierlichen Exorzismen. Du darfst Christus voll Vertrauen um Schutz und Befreiung bitten, so wie er selbst für seine Jünger gebetet hat. Die Macht des Widersachers ist begrenzt. Das letzte Wort hat Jesus Christus. Wenn dich etwas bedrängt, sprich mit einem Priester deiner Pfarrei. Bei seelischer oder körperlicher Krankheit such auch ärztliche Hilfe.

Lehre über den ExorzismusGebet um Befreiung

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